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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Le feu, c'est moi.

"Tell them that you heard" by ennil 
Die Hitze steigt in mir hoch und bringt mich zum Glühen. Meine Wangen brennen vor Unerwarten. Durch den ganzen Tag hindurch brennen sie durch und leiten diese Hitze in mein großes kleines Herz. Jede Zelle pocht im Takt dieser Episode von Leben, die den Jazz-Rhythmus liebt. Die zu Rock'n'Roll die Röcke schwingt und akustische Orgasmen während der 70er Musik ermöglicht.

Es ist ein Feuer des Traumes. Einer surrealistischen Welt, in der ich die Realität ein bisschen weiter male mit meinen schon fast vertrockneten Pinseln und dem vergessenen Farbsortiment. Die Grenzen verwischen in Orangerot. Und werden gerahmt in Grau.

Atem eines Gefühls, das ich schon lange kenne. Doch nie war dieses Gefühl in vielerlei Hinsicht gesellschaftskonformer als je zuvor. Dies war nicht mein Ziel. Aber es geschah. Und es folgte ein Feuer.

Feuer liebt und hasst. Feuer zerstört. Vielleicht ab und an das Richtige. In mir.

Mein riesenkleines Herz zerspringt fast vor Glut. Kannte es doch nur eisige Nordwinde, die es paradoxerwesie wärmten.

Mein Gott, wie sehr ich atme. Heißer Atem. Glühender Atem.

Ich will mit dir ein Leben malen. Ich bin ein Kind, das spielen will.
Lasst die Spiele beginnen! Feuerspucker, tretet vor! Feuergötter, erbarmet euch. Mein Opfer ist meine Ruhe.


C'est paradoxe et ridicule, m. Ridicule. Comme je suis foule. m. Ce n'est pas ton faute. 


Le feu, c'est moi.

Mittwoch, 7. September 2011

Das ferne Mädchen


by Robert Brook 
 Manchmal erkennt man sich selbst nicht mehr wieder, wenn man alte, selbst geschriebene Texte aufspürt und die Person dahinter erkennen will - die doch eigentlich in sich selbst begründet ist.

Die lebenserfüllte Stimme liest mir zarte Zeilen von Sappho vor. Seltsam tief berührt mich diese schwere Leichtigkeit, in der das Leben beschrieben wird. Ein Wesenszug wird wieder erweckt und sie liest die Poesie dazu. Da sitze ich nun und lasse dich an mein tiefstes Inneres heran. Alledem, was ich bisher nur meinem Mann offenbarte. Ich merkte, wie ich immer mehr abhängig von dir, deinen Meinungen, deinen Gedanken, deinen Blicken und tröstenden Berührungen wurde. Doch nach einiger Zeit wurde mir mit Schrecken bewusst, dass du mehr als ein Fels in der Brandung bist, mehr als etwas, an das ich mich in einer Krise festhalten konnte. Deine Standhaftigkeit hatte sich mit meiner Schwäche zu einem Gefühl eines ganz neuen Wesens vereint. So hat sie auch mich an das ferne Mädchen eben erinnert, deren holdes Schreiten ich lieber sähe. Erst nannte ich es eine außergewöhnlich große Seelenverwandtschaft. Dann eine platonische Liebe. Doch irgendwann musste ich mir selbst, der bürgerlich konservativ im behütenden Protestantismus aufgezogenen Frau eingestehen, dass du mich auf unbarmherzig, schrecklich wahre und schöne Art und Weise an die Liebe erinnert hast. Du selbst hast dich als Verkörperung dieser Erinnerung präsentiert – und schließlich wurdest du mein Mittelpunkt der Gegenwart und Zukunft. Es war schlicht und ergreifend die Liebe, die langsam in mir gedieh, dafür aber starke Wurzeln schlug und jeden Tag neue Blätter austrieb. Dichter und dichter wurde die Krone – ich sah nicht mehr den Himmel, war ihm aber noch nie so nahe. Wolken von Weihrauch. All die Zeit hatte ich vor mir Angst. Was machst du nur mit mir? Spielst mit meinen Gefühlen, sodass sie mich täuschen. Bringst Verwirrung in meinen trauernden, leeren Kopf. Machst selbst nicht vor meiner Liebe halt. Ich dachte zunächst: Sie ist gewiss verfälscht worden durch die ganze Krise. Nachdem ich alles überstanden habe, wird sich das stabilisieren. Ich unterlag einem Irrtum. Ich wurde stabiler mit jedem Tag – und dazu wuchs meine Liebe und die Fähigkeit, diese an zu erkennen. Vollends überwunden habe ich diese Selbstverleumdung, als unsere Nähe der Seelen auch in der Nähe der Körper Ausdruck fanden. Nie zuvor hatte ich das Gefühl, auch bei diesem triebbestimmten Akt für mein ganzes Wesen, auch für meine Seele, geliebt zu werden. Der Satz „Ich liebe dich“ erlangt aus deinem Mund, mit deiner Stimme, deinem Blick und deinen Gesten eine völlig neue Bedeutung. Auch wenn ich diesen Satz erwidere, klingt meine Stimme so sehr anders. Erfüllt. Ich wage sogar zu behaupten, dass ich trotz all der Geschehnisse im größten und schönsten Teilaspekt des Lebens Glück gefunden habe.

Montag, 22. März 2010

Momentaufnahmen des Augenblicks


Melodien greifen ineinander, bilden ein Gerüst, eine lebendige Struktur, keine starren Gitter, sondern ineinander fließende Netze. Stabilität, mein Lebenswunsch und mein größter Albtraum zugleich.  
Ambivalenz der Adoleszenz.





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Kein Mensch steht hinter dir, du bist die Schuldige, weil du an einer Krankheit leidest, die lange Heilzeit braucht, welche dein Handeln unkontrollierbar macht. Dennoch bist du allein schuldig. Warum nur? Es gibt Menschen, die mit dem Begriff Schuld nicht so leichtfertig umgehen. Es gibt sie. Und sie lesen Matthäus 25,14 vor, auch denen, die seit Kind auf mit dem Glauben ringen. Die nie eine Bibel in die Hand nehmen. 
Es gibt nur wenige lebende Menschen, die dir das Gefühl geben, nicht von Grund auf falsch zu sein. Doch die meisten sind tot. Aber ihre Worte leben weiter, auf ewiglich. Ein Hauch Hoffnung umgibt diese kleinen Papiere, aufbewahrt in einer Bonbondose, beschriftet mit Worten von Nietzsche und einem Schweden:
GYMNASIUM
Det var egentligen bara fyra korta vintrar.
Med Thomas Mann och Hesse
och grekiska grammatiken.
Och biografen Skandia.
Sånt går fort numera.
Men då, på den tiden
var alltsammans så stort, så långt
som ett halvt liv.
 
Cyklarna där låsen rostade.
Det innersta av dessa rostande cykellås:
Ett av dessa ställen
som vi inte studerade
tillräckligt noga.
Es waren eigentlich nur vier kurze Winter.
Mit Thomas Mann und Hesse
und der griechischen Grammatik.
Und dem Kino Skandia.
Heutzutage vergeht so etwas schnell.
Aber damals, zu jener Zeit
war alles so groß, so lang
wie ein halbes Leben.

Die Fahrräder, an denen die Schlösser rosteten.
Das Innerste dieser rostenden Fahrradschlösser:
Eine dieser Stellen
die wir nicht gründlich genug
studiert haben.
Lars Gustafsson

 Die ganze Zeit auf der Flucht vor der Gegenwart der Person, die dich verletzt hat, die dich anklagt, krank zu sein, die dich zurück lässt, auf dass es ihr gut ginge und dir schlecht. Flucht wohin? Die Schule fordert dich zu sehr. Das schlimme ist, du könntest es eigentlich besser. Doch irgendwie ist da diese Blockade im Kopf, die deine Leistungsfähigkeit einschränkt. Druck aus der Schule. Ein Zuhause hast du nicht. Lösung? Ein Zuhause erschaffen. Mit außerschulischen Dingen beschäftigen, die ein Zuhause simulieren. Die dich als Kind leben lassen. Backen zum Beispiel. Das nächste Projekt: Macarons. Ein kleines Stück Naivität, Heimduselei und Kindlichkeit.
Ich muss ein neues Leben beginnen. Es steht außer Frage. Aber zuerst muss etwas beendet werden, um etwas beginnen zu können. Rabiat funktionierte es bei mir noch nie. Ich wurde rabiat von heute auf morgen als einsamer Mensch mit unerwünschten Nebenwirkungen deklariert. Auge um Auge und Zahn um Zahn wird seit Jahren falsch interpretiert. Ich brauche Zeit. Viel Zeit. Mich stufenweise von meiner Vergangenheit verabschieden, nein, mich stufenweise mit ihr versöhnen. Oder sie ordnen. Alles in Ordnung bringen in den nächsten Tagen. Die letzte Kraft zusammenkratzen. Bald kommt eine Zeit der Heilung. Hoffentlich.  


Vielleicht auf den Gewässern des wilden, rohen Nordens, der im Sommer seinen weichen und gütigen Teil der Seele zeigt, ohne seine andere zu verleugnen. Sehnsucht nach dem Gelbton des Nordlichts.

Dienstag, 29. Dezember 2009

STEPPENWOLF - Eine Ode an Hermann Hesse

Das Vorwort: Hermann Hesse ist Kitsch. Richtig. Wenn man einige seiner Gedichte liest. Und die Romane außen vor lässt. Klar sind auch sie Kitsch. Aber nicht für ein 14-Jähriges Mädchen außer Kontrolle, außer ihrer Kontrolle. Ich war zu schwach, mich selbst zu führen, und ich habe mich führen lassen, von ihm. Davon spricht auch Fragment. Er führte mich während des Wechsels von 14 zu 15, jetzt kommt er verändert wieder, um mich von der 16 zur 17 zu geleiten. Heute ist mein letzter Tag, an dem ich mich 16 nennen darf. Diese schöne Zahl soll nun einer 17 Platz machen. Aber was sind schon Zahlen? Nicht viel. Aber ein Symbol. In den letzten Tagen wehte ein anderer Wind in mir und um mich herum. Etwas passiert, ich weiß nicht was. Aber ich weiß, dass ich es nie erleben würde ohne diese Leitfigur meiner Jugend. Ob es nun Kitsch ist oder nicht, er rettete mich, fremde Worte waren oft mein Netz. Eine Ode. Meiner eigenen Art.

Die Welt um mich herum verdunkelte ihre Schlechtigkeit. Durch die Nacht zu wandern ist ein Gang zum Tempel meines Gottes. Meines Gottes. Ich sah ihn immer nur aus der Ferne. Er deutete mit Lichtzeichen. Ich sehe sie in der Ferne in der Nähe der Stadt, ganz nah über mir, in der Nähe der Straßenlaterne und unsäglich weit entfernt, in der Nähe des Mondes.  Es gab jemanden, dessen Worte mir die Lichtpunkte sichtbar machten. Sie besänftigten den rauen Sturm in mir. Sie unterdrückten ihn nicht, denn er ist ja meine Seele, nein, sie lenkten ihn in harmonischen Böen. Meine Schritte werden weicher und gemächiger, links und rechts bauen sich die Häuser aus den Worten auf, die mir einen Einzug ermöglichten. Ich wandere zwischen den grenzenlosen Grenzen meines Reiches und lasse mich fallen in ein Spiel mit meinem Selbst. Ich nehme eine kleine Schachfigur in die Hand und lasse den Steppenwolf leben. Die Luft schmeckt nach meiner Ambivalenz der letzten Jahre. Ich lasse mich fallen, immer tiefer versinken in diese Zeit. Sie war Leiden. Sie war schön. Ich wanke, ich rette mich mit einem Tanz. Ja, die Menschen außerhalb des Reiches lernen dies nie kennen, nie das Schlechte dieser Welt, aber auch nie das Gute. Sie wissen nicht, wie das Herz vor Glück beinahe zerberstet. Tatzen in den Himmel, der Mond ist aufgegangen. Meine Sonne. Ich spüre die Klarheit des Lichts. Sie zerbricht meinen Willen. Das Ich zersplittert. Es ist nie da gewesen, es war eine Gardine des Bürgertum, die vor meine Persönlichkeit gezogen wurde. Eine Persönlichkeit hat kein Ich. Eine Persönlichkeit ist kein starres unbeugsamen Nomen. Ich fließe. Alles fließt. Ineinander. Steine im Fluss. Was kann ich daraus bauen? Ein Hindernis. Wie kann ich am schönsten darüber springen? Fragen, die meine Welt bewegen. Sie braucht sie ihrer Rotation wegen. Was ist eine Welt ohne Fragen? Wind zieht auf, kalte, sanfte, streichelnde Hände. Ich gebe mich hin, lasse sie überall ihre zarten Fingerchen platzieren und Spielchen spielen. Willenlos, wie ich bin. Die Farben werden kontrastreicher. Jetzt kommt der Wechsel. Nicht sofort. Denn alles hat seine Zeit. Tanzstunden haben ihre Zeit und Tanzbälle haben ihre Zeit. Kühle Welle. Absturz. Erwachen. Die Schachfigur in der Hand. Der Mond ist noch am selben Platz. Ein Freund. Die Nacht hat mich noch immer in ihre Decke eingehüllt. Eine Liebschaft. Die Lichter liebkosen noch immer meine kleine Seele. Eine Liebe. Der Wind weht noch immer. Ein Leben.

Montag, 28. Dezember 2009

Verwirrender Gedankenstrom






Die neue Dimension der Ekstase. Ein neuer Schritt in Richtung Ich-Verlust. Was gibt mir dieses Nomen, dieses Akronym für Ich-Behauptung, Chauvinismus und Held spielen ein Leben lang? Ein bewegtes Leben in einem starren definierten Begriff? Die Antithese der Gesellschaft. Wilde Gitarrenriffe, melodische Wellen, auf mich einstürzende Fluttempiwechsel, zarte Rufe der Fauna, der Schrei der Erde. Leid, wohliges Leid. Es geht noch tiefer auf dieser Welt. Zurück ins ursprüngliche Bewusstsein. Als die Macht über sich selbst noch bei den Menschen lag. Ein Ruf der Flucht. Ein Ruf des steinigeren Weges. Unterirdisches Leben. Surrealistische Wege. Luft zum Atmen und Wasser zu Trinken. Klar und rein. Schritte erklingen aus meinem Inneren. Sie untersagen mir, mich ihnen zu verwehren. Sie fliehen vor dem Akronym. Ich fliehe mit. Verlust. Positiver Verlust. Schreie meines Ursprungs. Rufe des Himmels.

Montag, 16. November 2009

Fragment

Das Fragment eines Tagebuchs, ja, das bin ich. Ich habe meinen sicheren Platz zwischen den anderen Zeilen, die das Leben eines Menschen verheißen.  Ich weiß nicht, wer dieser Mensch ist, obwohl er sich in mir offenbarte. Jede Zeile beleuchtet eine andere Ebene seiner Seele, und jedes Wort ist ein Vorurteil, wie ein deutscher Philosoph schon sagte. So wie sich die Seiten des Buches widersprechen, so widerspricht sich dieser Mensch. Er möchte niemanden seiner Schützlinge verlieren, die kleine Seelenbrut, die harten Geburten seelischer Erfahrungen. Alle sollen sie in seinen Armen Platz finden, sich vereinen, sich ergänzen. Sich ergänzen, aber auf eine Art, die er bisher noch nicht entdeckt hat. Er kämpft darum, jeden Tag. Sein Spiegelbild sieht jeden Tag anders aus. Viel Zeit bleibt ihm nicht, die Konstruktion ist aus dünnem Glas erschaffen und die Stimmung ist erhitzt. Wenn Räume zu viel Leerraum besitzen, sammelt sich dort oft das an, was das Glas zerbrechen lässt. Eine Lösung scheint es nicht zu geben, noch nicht. Er sammelt alles, was er finden kann, findet Unterschlupf in fremden Worten, die von der eigenen Seele sprechen. Vielleicht ist diese literarische Reise endlos, doch die Zeit verstrich nicht ungenutzt. Schließlich kittet jedes Wort die kleinen Lücken und Risse. Nur die großen Abgründe bleiben noch unüberbrückt. Das Seelenkleid möchte einen Spiegel, dessen Bild die Mitmenschen betrachten können. Dieser Mensch kann sich nur durch Wörter definieren. Hier eine harte Wörterkette handfester Moral, hier ein sanftes Wörterrinnsal transparenter Metaphern, umsponnen mit den Traumreigen eines Kindes. Er lebt, solange sein Wortschatz neue Konstruktionen spinnt, solange neue Wörter wachsen und verdorren, solange alte wieder auf blühen und dieser Blüte nostalgische Umgebung zugeschrieben wird.  Doch jeder Wortschatz ist begrenzt. Auch dieser Mensch hat ein Ende. Nur die Worte nicht. Sie sind Legenden.

Samstag, 31. Oktober 2009

Love & Communication

Manchmal reicht ein Lied aus, um ein Gefühl aufleben zu lassen, das man mit 14/15 Jahren erlebte, über welches man schrieb, immer wieder und immer anders.







Donnerstag, 29. Oktober 2009

Raus aus dem Schema!

Vor einigen Wochen lautete eine Hausaufgabe, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Ich setzte mich tagelang mit möglichen Themen auseinander, dachte mir den Plot aus, formte Sätze, strich Sätze, verzweifelte vor dem weißen Bildschirm, kürzte einiges, damit ich die Längenvorgabe von einer Seite einhalten konnte... Und das Ergebnis stellte mich einigermaßen zufrieden. Im Vergleich zu den wenigen anderen Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe, habe ich mich in einer Weise weiterentwickelt: Ältere Texte sind zwar nicht unbedingt schlecht, doch sie hatten immer dieses Schema 'Ein Mädchen meines Alters und ihre Alltags- oder Lebensprobleme'. Ich hatte immer befürchtet, nie aus diesem Schema herauszukommen. Doch bei der letzten Geschichte habe ich es geschafft, dies ist ein kleiner Erfolg für mich.


Die Studenten stürmen aus der Universität, andere diskutieren vielleicht noch über das neu erworbene leere Wissen. Ich folge dem Strom, lasse mich aus der Uni führen. Die Menge verflüchtet sich und schließlich bin ich alleine, allein gelassen mit dem Haus der Bildung im Rücken. Als ich einen kurzen Blick zurück werfe, scheint es, als ob über alledem ein Schatten liegt. Ein Schatten über der Bildung. ein dunkler Schlupfwinkel. Hier gehe ich ein und aus, ich weigere mich nicht, den Studenten das zu erzählen, was sie hören möchten. Das Hohe, zu viel vom zu Hohen.

Ein böiger Wind zieht auf. Er erinnert mich an mein Ritual des Freitagabends. Mein Kopf wird mit jedem Schritt gegen den Wind leerer und ich genieße diesen Zustand, der mir so oft verwehrt bleibt. Ich fliehe vor der überfüllten Stadt, vor den überfüllten Kaufhäusern und den ganzen Menschen, die den Überfluss lieben. Die Gassen sind nicht leer, aber frei von dem Zuviel.

Kurz vor meinem Ziel bricht der Himmel auf und gibt dem Regen seinen Raum. Ich renne die letzten paar Meter, um mich in meinen Schuppen zu flüchten. Hier steht es, genauso wie all die Freitage zuvor. Über lange Zeit habe ich das Boot restauriert, letzten Freitag ist es fertig geworden. Jetzt steht es hier, ruhig und geduldig. Ich erblicke einen weißen Farbeimer zu meinen Füßen. Ich suche einen Pinsel und schreibe 'Nirvana' auf den roten Lack.  Der Name kam mir heute morgen in den Sinn. Ein kleiner Geistesblitz eines eigentlich schon übermüdeten und überfüllten Geistes.

Plötzlich ist Stille. Ich öffne die Tür und sehe, dass sich der tosende Regen sowie der böige Winde verzogen haben. In der Ferne das Meer. Ruhig und friedlich. Rein und tief. Den Segelschein habe ich seit letzter Woche. Eigentlich dürfte mich nichts daran hindern, ins Meer zu fliehen. Aber irgendetwas hält mich hier. Jetzt frage ich mich, ob ich erst herausfinden soll, was es ist, oder ob ich es ignorieren und vergessen soll. Der Zweifel ist ein Gut der Bildung.